Erste Hilfe im Betrieb bei flexiblen Arbeitszeiten und wechselnden Einsatzorten

Erste Hilfe im Betrieb bei flexiblen Arbeitszeiten und wechselnden Einsatzorten

Wie Unternehmen mit mobilen Teams und flexiblen Arbeitszeiten ihre Erste-Hilfe-Organisation zeitgemäß gestalten können

Warum das Thema gerade jetzt wichtig ist

Die Organisation der Ersten Hilfe gehört zu den Grundpflichten jedes Unternehmens. Doch was einfach klingt, wird in vielen Betrieben zunehmend zur Herausforderung. Pflegekräfte, Betreuungspersonen oder Reinigungsteams sind selten alle gleichzeitig vor Ort. Sie arbeiten zu wechselnden Zeiten, an verschiedenen Standorten – oft auch allein.

In solchen Situationen stellen sich schnell die Fragen:

Wie lässt sich sicherstellen, dass im Notfall sofort reagiert werden kann? Und wer ist überhaupt da, wenn etwas passiert?

Wenn Sie sich zunächst einen Überblick über die grundlegenden Pflichten rund um Ersthelfer:innen im Unternehmen verschaffen möchten, empfehlen wir unseren Beitrag „Ersthelfer im Betrieb – Das müssen Sie beachten“.

Gesetzliche Grundlagen – was Betriebe wissen sollten

Rechtlich ist die Sache klar geregelt:

Nach der DGUV Vorschrift 1 und der DGUV Regel 101-605 muss jedes Unternehmen sicherstellen, dass ausreichend ausgebildete Ersthelfer:innen zur Verfügung stehen – und dass Erste-Hilfe-Material jederzeit zugänglich ist.

Die wichtigsten Vorgaben im Überblick:

  • Bei 2 bis 20 anwesenden Personen: mindestens 1 Ersthelfer:in
  • Bei mehr als 20 anwesenden Personen:
    • 5 % der Beschäftigten in Verwaltungs- und Handelsbetrieben
    • 10 % in sonstigen Betrieben – also z. B. in Pflege oder Gebäudereinigung

Die Ersthelfer:innen müssen regelmäßig geschult werden, alle zwei Jahre ist eine Auffrischung vorgeschrieben.
Die Kosten übernehmen in der Regel die Berufsgenossenschaften oder Unfallkassen.

Das ist die Grundlage – aber die Praxis sieht oft komplexer aus.

Flexibilität braucht neue Konzepte

Laut der DGUV-Publikation FBEH-001 (März 2024) verändert die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt auch die Anforderungen an die Erste Hilfe.

Wenn Mitarbeitende in Teilzeit, im Schichtdienst oder mobil arbeiten, sind häufig weniger Personen gleichzeitig anwesend – und damit auch weniger Ersthelfer:innen.

Um trotzdem vorbereitet zu sein, sollten Unternehmen regelmäßig prüfen:

  • Wie viele Mitarbeitende sind tatsächlich gleichzeitig im Einsatz?
  • Welche Bereiche sind ständig besetzt – z. B. Empfang, Wachdienst oder IT-Support?
  • Müssen zusätzliche Personen ausgebildet werden, um Krankheits- und Urlaubszeiten auszugleichen?

Gerade in größeren Einrichtungen lohnt es sich, an Kooperationen mit anderen Betrieben am Standort zu denken. In Bürohäusern, Pflegezentren oder Industrieparks können gegenseitige Vereinbarungen helfen, die Erste Hilfe gemeinsam abzusichern.

Besonderheiten in der Gebäudereinigung und Pflege

In der Gebäudereinigung, der ambulanten Pflege oder der Alltagsbetreuung kommen weitere Herausforderungen hinzu. Viele Beschäftigte arbeiten in fremden Räumen, oft außerhalb der regulären Bürozeiten.

Das sollten Betriebe klären:

  • Wer stellt das Erste-Hilfe-Material? Wenn der Auftraggeber nichts bereitstellt, muss der Reinigungs- oder Pflegedienst selbst für Verbandmaterial sorgen.
  • Wie wird im Notfall reagiert? Ein klarer Ablaufplan hilft, insbesondere bei Infektionsrisiken wie Nadelstichverletzungen.
  • Wie ist die Alarmierung geregelt? Beschäftigte, die allein arbeiten, müssen jederzeit Hilfe anfordern können – über Mobiltelefon oder das Notrufsystem der Einrichtung.

Gerade in der Pflege zeigt sich: Es reicht nicht, irgendwo einen Verbandkasten bereitzuhalten. Wichtig ist, dass Beschäftigte wissen, wo sie Hilfe bekommen und wie sie reagieren sollen, wenn sie allein im Einsatz sind.

Schnelle Alarmierung ist entscheidend

Ob bei der ambulanten Pflege, auf einer Baustelle oder beim Reinigungseinsatz: Im Notfall zählt jede Minute. Deshalb ist die Alarmierung eines der zentralen Themen der modernen Erste-Hilfe-Organisation.

Die DGUV empfiehlt unter anderem:

  • Eine einheitliche Notrufnummer oder Kontaktstelle im Betrieb
  • Gut sichtbare Aushänge oder digitale Hinweise im Intranet oder auf Diensthandys
  • Kennzeichnung der anwesenden Ersthelfer:innen, etwa über Dienstpläne oder Namensschilder

Digitale Systeme können hier unterstützen. Smartphone-basierte Lösungen – wie sie etwa der German Resuscitation Council (GRC) beschreibt – alarmieren registrierte Ersthelfer:innen in der Nähe und helfen, schnell zu reagieren. Sie ersetzen keine betriebliche Erste-Hilfe-Organisation, sind aber eine sinnvolle Ergänzung – besonders in Betrieben mit vielen Außenstandorten bzw. Einsätzen.

Praxis-Tipp: Erste Hilfe einfach organisieren

Auch bei flexiblen Arbeitsmodellen lässt sich Erste Hilfe verlässlich organisieren – vorausgesetzt, man plant sie bewusst mit ein.

Regelmäßige Checkpunkte:

  1. Wie viele Ersthelfer:innen sind zu jeder Zeit verfügbar?
  1. Sind alle Beschäftigten über Alarmierungswege und Zuständigkeiten informiert?
  1. Gibt es sichere Kommunikationsmöglichkeiten für Alleinarbeitende?
  1. Ist Erste-Hilfe-Material vollständig und erreichbar – auch unterwegs?
  1. Werden Schulungen und Nachweise dokumentiert?

Mit digitalen Tools wie fortytools lassen sich Dienstpläne, Mitarbeiterlisten und Schulungsnachweise unkompliziert verwalten. So behalten Sie im Blick, wer geschult ist, wann Auffrischungen anstehen und an welchen Einsatzorten Ersthelfer:innen verfügbar sind.

Fazit

Erste Hilfe im Betrieb ist auch bei flexiblen Arbeitszeiten und wechselnden Einsatzorten gut machbar – entscheidend ist die Organisation.

Wichtig sind:

  • Aktuelle Gefährdungsbeurteilungen, die die reale Anwesenheit abbilden
  • Ausreichend geschulte Ersthelfer:innen, auch bei wechselnden Teams
  • Zuverlässige Alarmierungssysteme und klare Kommunikationswege
  • Regelmäßige Information und Unterweisung der Mitarbeitenden

So bleibt Ihr Betrieb auch bei mobiler Arbeit, Schichtdienst und dezentralen Einsätzen sicher – und Ihre Mitarbeitenden wissen, dass im Notfall auf schnelle Hilfe Verlass ist.

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